Typografie im Lyrix-Projekt

Ungewöhnliche Satzschriften

Unter diesen Begriff habe ich all diejenigen Satzschriften bzw. Fonts gefasst, die eigenwillig geprägt sind und in vielen Fällen kaum eingesetzt werden. Einige dieser Designs haben zwar das Glück, eine gewisse Popularität zu erlangen, wenn modische Strömungen für eine rasche und weitreichende Verbreitung sorgen, im allgemeinen bleiben sie jedoch weitgehend unbeachtet. Dabei sind diese Satzschriften oft gar nicht so ungewöhnlich; allein ihre beschränkte Verwendbarkeit sollte kein Hinderungsgrund sein, einen typografischen Versuch zu unternehmen.

Ein sehr origineller und witziger Entwurf ist beispielsweise Will Robinson, ein Zeichensatz, der mit Variationen ausgestattet ist. Für San Francisco nights sind diese lockeren Buchstaben wie geschaffen. Bei dem Motiv spielt natürlich der Schriftgrad, also die Größe, eine wichtige Rolle, aber dass es auch kleiner geht, zeigt Your love's return. Dieses Motiv benutzt die Frances Uncial, die ebenfalls mit einigen besonderen Zeichen aufwartet. Allein der Satz ist eine Augenweide, aber darüberhinaus sollte die Interpretation zum Tragen kommen. Wenn Sie den Entwurf betrachten, werden Sie sicher sagen: »Natürlich, ein Herz sucht das andere.« Und so einfach - wenn auch schwierig, typografisch darauf zu stoßen - ist dieser hervorragende Song.

Konfus oder unübersichtlich wird es bei Cat's in the cradle. Die Wahl fiel hier unter anderem auf Ransom Note, ein Sammelsurium der verschiedensten Schriftarten, das für diesen Text zusätzlich mit Zeichen zweier weiterer Fonts angereichert wurde. Das Motiv wirkt tatsächlich wie ein Erpresserschreiben, aber positiv und farbig eingesetzt, verwandelt sich Ransom Note schnell in eine lustige Buchstabensuppe.

Eine schöne weiche und lineare Schriftart ist Heron, die Atlantis erzählt. Sie erinnert an Märchen und Romantik. Der freie Zeilenfall und die leicht gewellten Zeilen kommen den geschwungenen Buchstaben sehr entgegen - nicht auszudenken, wie diese Schriftart im Blocksatz mißhandelt würde!

Auch After the Gold Rush kann mit einer »erzählenden« Schriftart aufwarten: Virile. Sie können die Schönheit vielleicht nicht ganz nachvollziehen, weil der gesetzte Text nur in der Spiegelung lesbar ist, und dann sind die Zeichen allesamt oben aufgehängt! Gemein, nicht wahr? Aber diese erschwerte Lesbarkeit ist auch hier wieder beabsichtigt: der Leser sollte sich mit dem Text beschäftigen.

Ich hoffe, diese Beispiele mit ungewöhnlichen Satzschriften haben Ihnen gefallen. Aber vielleicht mußten Sie ein Gähnen unterdrücken, weil Sie viel krassere Typen kennen. Benutzen Sie sie! Machen Sie sie bekannt und zeigen Sie Ihren Lesern, wie abwechslungsreich Satzschriften aussehen können. Mein Interesse an Eigenwilligkeit geht bei diesem Projekt aber weiter, als Satzschriften dazu fähig sind: schließlich haftet jeder Satzschrift eine Regelmäßigkeit an, und außerdem gibt es bei aller Fülle an verfügbaren Satzschriften für bestimmte Fälle doch keine geeignete Lösung. Hier kommen die Unikate in's Spiel.

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Autor: Frank Baranowski, 2004.