Die Kriterien

Um es vorwegzunehmen: das Lyrix-Projekt ist keine Anthologie. Sowohl Umfang als auch Auswahl sind zu bescheiden, um als Anthologie durchzugehen. Dennoch habe ich die Auswahl so getroffen, dass möglichst viele Stilrichtungen, Themen und Epochen der Popmusik zur Sprache kommen.

Die Songtexte, die für dieses Projekt ausgewählt werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllen:

  • Der Song sollte einen gewissen Bekanntheitsgrad haben
  • Der Song sollte eine unverwechselbare Art haben
  • Der Songtext sollte ein bestimmtes Thema beschreiben
  • Der Songtext sollte eine eigene Sprache haben
  • Der Künstler hat den Song selbst gesungen
  • Der Künstler sollte einen gewissen Bekanntheitsgrad haben

Allein diese Kriterien reichen bei weitem nicht aus, um die Auswahl einzuschränken. Wenn man einen ungefähren Anfang des Songwriting im Popbereich festlegen wollte, so kommt man zu den frühen 60er Jahren, als Pop und Rock durch die Beatles, die Stones, Dylan und andere eine eigene Sprache entwickelten. Damit erhalten wir einen Zeitraum von mittlerweile über 40 Jahren.

Die Menge guter Songs, die in dieser Spanne geschrieben wurden, sprengt dabei jeden Rahmen und mußte von vornherein ganz grob in schwarz und weiß getrennt werden. Das bedeutet, dass alle Beiträge schwarzer Musik beiseite gelassen wurden. Das mag sich diskriminierend anhören, hat aber genau den gegenteiligen Grund: Sprache und Themen der schwarzen Songtexte sind es meiner Meinung nach wert mit einem eigenen Projekt bedacht zu werden.

Dennoch bleibt eine Unmenge guten Materials, von dem nur ein Bruchteil ausgewählt werden kann. Persönliche Vorlieben spielen dabei natürlich auch eine gewisse Rolle. Außerdem soll ein Songtext auf eine bestimmte Art und Weise typografisch umgesetzt werden können, dazu ist nicht jeder Text automatisch geeignet. Hinzu kommt, dass bei der Umsetzung - sowohl typografisch als auch interpretierend - möglichst wenig Wiederholungen stattfinden sollen.

Möglicherweise wird die Diskussion einsetzen, warum bestimmte Songs und Künstler fehlen, warum gerade diese Auswahl getroffen wurde. Die Diskussion ist gut, weil sie sich mit der Materie beschäftigt. Dieses Projekt mit seiner begrenzten Anzahl von Songtexten wird immer nur »VOL. 1« sein.

Bildausschnitt Life's what you make it

Life's what you make it von Talk Talk.

Eine weitere Diskussion mag sich anschließen, wenn es um die typografische und bildliche Ausarbeitung geht. Warum wird ein Song auf diese Weise dargestellt und nicht anders? Kritik an Schriftart, Lesbarkeit, Farbe, Umfang der einzelnen Layouts treten sicherlich auf. Auch diese Diskussion ist gut. Sie ist hilfreich, wenn man sich mit dem Text auseinandersetzt; der Popsong aus dem Lautsprecher entwickelt sich zum geschriebenen, dauerhaften Text. Und diese Diskussion ist darüberhinaus hilfreich, sich mit einer der alltäglichsten Dinge überhaupt zu beschäftigen: mit der Schrift(-darstellung) selbst. Wie kann schriftliche Fixierung aussehen, und wie sehr haben wir uns daran gewöhnt, nur wenige konventionelle Arten zu erfassen?


Autor: Frank Baranowski, 2003.