Plankton, der kleine Ganove aus der Serie »SpongeBob Schwammkopf«, schafft es einfach nicht, das Geheimrezept des leckeren Krabbenburgers zu ergattern. Deshalb bleiben ihm Erfolg und Anerkennung verwehrt. Dem typografischen Koch kommt das bekannt vor.


Holografischer Hackbraten

Planktons Leibgericht ist holografischer Hackbraten. Kein wirkliches Leibgericht, sondern das, was ihm seine digitale Gattin für gewöhnlich serviert, wenn er wieder einmal erfolglos heimkehrt. Erfolg zu erzielen ist sein Bestreben; erfolglos zu sein ist seine Wirklichkeit.
Plankton, genauer gesagt: Sheldon Plankton (denn seiner sind viele), hat ein bestimmtes Ziel: das Geheimrezept des leckeren Krabbenburgers an sich zu bringen, diesen dann selbst zu vermarkten, reich zu werden und, nebenbei bemerkt, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Das Geheimrezept des Krabbenburgers liegt jedoch bei Mr. Krabs. Der hat Erfolg damit und er ist reich. Und er macht seine Burger nicht mal selbst, das erledigt SpongeBob für ihn in hingebungsvoller Weise.

Als typografischer Koch kann ich mir nur die wenigen Haare raufen in Erinnerung dessen, was ich alles an Rezepten ausprobiert habe. Und trotzdem verspürt niemand Heißhunger auf meine Burger. Die typografischen Mittel zu kennen ist eine Sache, sie anzuwenden eine weitere. Klar. Allein die Spielarten, die sich daraus ergeben, erfordern viel Freude am Experimentieren und natürlich Augen, die das typografische Mahl hungrig betrachten.
Aber ergibt das einen leckeren Burger, für den die Leute anstehen? Wohl kaum, denn auf mich wartet heute wieder ein holografischer Hackbraten.

Dabei kenne ich die Zutaten und ich weiß auch, dass SpongeBob seine Burger mit Liebe zubereitet. Ist das ein Anhaltspunkt? Klingt wie in der Werbung: »Mit Liebe zubereitet«. Quatsch: natürlich bereiten wir typografischen Köche unsere Speisen auch mit Liebe zu. Anders geht es gar nicht! Ohne Liebe schmeckt es überhaupt nicht, denn Liebe geht durch den Magen: ich liebe es.
Liebe, das sind die Überstunden, die wir dem typografischen Mahl anhängen, um es noch appetitlicher und geschmackvoller zu servieren.
Und damit habe ich mich weitgehend von den Burgern entfernt. Denn selbst für einen leckeren Burger braucht man nur wenig Zeit. Brötchen aufklappen, Inhalt rein, Brötchen zuklappen: fertig. Der Gast sieht nicht mal, was drin ist, es sei denn, es quillt etwas heraus. Aber er weiß, dass es lecker schmeckt. Deshalb hat er diesen Burger bestellt und keinen anderen.

Von wegen typografische Kochkunst! Schnell muss es gehen. Typografische Mittel anwenden: ja; aber sorgfältig abwägen: eindeutig nein. Appetitlich anrichten: außen unbedingt; aber innen: eindeutig überflüssig. Das typografische Mahl hungrig betrachten, um vielleicht etwas zu verändern? Ich bitte Sie. Das führt nur zu Verzögerungen. Also: eindeutig nein. Als Burgerbrater muss man satt sein. Richtig satt. Dann schichtet man die Zutaten ganz automatisch. Deckel drauf: fertig. Endlich. Der nächste, bitte.

Wenn man satt ist, verliert man keine Zeit mit Nebensächlichkeiten. Der Gast möchte auch keine Zeit vergeuden. Eigentlich ist er gar nicht hungrig, er hat nur das Gefühl essen zu müssen. Aber schnell muss es gehen, denn er hat besseres zu tun. Also reinbeißen, egal, was drinsteckt. Das ist das Geheimrezept. Mr. Krabs weiß es längst. Es geht nur darum, satte Mäuler erneut zu stopfen.
Der Gast braucht nur die Illusion einer Mahlzeit. Und deshalb beißt er immer wieder in den gleichen Burger. Keine Abwechslung, keine Experimente, keine Zeit. Auch morgen wird es wieder dieser gewisse Burger sein. Immer dasselbe.

Also sitze ich hier vor meinem holografischen Hackbraten. Ich kann ihn mir anschauen, aber nicht verspeisen. Er macht eben nicht satt.
Das ist egal, denn am Ende eines solchen Tages habe ich ohnehin keinen Appetit. So wie gestern und vorgestern. Und wie es aussieht, wird es auch morgen wieder holografischen Hackbraten geben. Ist auch immer wieder dasselbe...


Autor: Frank Baranowski, 2005.


Der typografische Koch empfiehlt:

Mach' mal Pause.

In einer rastlosen Gesellschaft, die ständig auf Achse ist, bleibt der Geschmack irgendwie, irgendwo und irgendwann auf der Strecke liegen.

Erörtert wird deshalb die Frage der gesunden Ernährung in Essgewohnheiten in der Nonstop-Gesellschaft und bei Neon (Stern) Isst denn niemand mehr normal?

Die Stiftung Warentest untersuchte verschiedene Burger und Öko-Test Pommes Frites und mit der Kultur der Imbißstände beschäftigt sich die Uni Weimar.

Der Autor Eric Schlosser schreibt über Fast Food, das er in einem längeren Selbstversuch erlebt hat (Titel »Fast Food Gesellschaft. Die dunkle Seite von McFood & Co«). Dazu gibt es den Beitrag König Burger der Netzeitung und eine Rezension von projekte.free.de.


In der Unterwasserwelt von Bikini Bottom geht es wesentlich überschaubarer zu. Mehr über SpongeBob, Plankton und den Krabbenburger erfahren Sie bei nick.com.