»Kalbfleisch & Kroketten« sollte als Tagesmenü auf der Tafel stehen. Aber jetzt, die Kreide in der Hand, verzweifle ich am vermaledeiten »&«. Höchste Zeit, dieses Goldene Kalb der Typografie zu schlachten.& per seEs fängt damit an, dass man das & nicht schreiben kann: das Zeichen hat zwei Enden, aber keinen Anfang. Also eine typografische Wurst? Stimmt leider nicht: eine Wurst ist einfach. Dann vielleicht eine Brezel? Auch nicht richtig, denn eine Brezel sieht trotz der Schnörkel nach Backware aus. Nein, das & ist ein echtes Schätzchen, ein Praliné. Und das hat an der Fritteuse nichts verloren.
Und es hört damit auf, dass sich dieses Zeichen so prätentiös gibt. Dabei heißt es nur »et«, also »und«. Wie kann man sich so aufspielen! Aber es gibt genug Dumme, die darauf hereinfallen. Wieviel Latein beherrschen wir denn, um ein unangebrachtes »et« zu rechtfertigen?
Kreation und Ligatur in einem: also eine Kreatur. Was hat diese Kreatur in unserem Alphabet eigentlich verloren? Widersetzt sie sich doch dem üblichen Schreibduktus und gestaltet sich dabei als komplexes Gebilde, das in der lateinischen Schreibgestik keine Entsprechung findet. Nicht einmal sucht. Keine andere Ligatur wird mit vergleichbarer Hingabe entworfen und benutzt. Nicht ß, nicht fi, fl, ffi und ffl. Das ß als wesentlicher Bestandteil der deutschen Schreibweise hätte schon mehr Aufmerksamkeit bei der Formgebung verdient. Und die f-Ligaturen gehören mittlerweile zum geheimen Schatz einiger Weisen der Typografie. Dabei fordert doch die neue deutsche Rechtschreibung geradezu ein Ligatur fff heraus. »Schifffahrt« sieht doof aus - ein Kürzel muss her: z. B. »Schi(3f)ahrt« oder so ähnlich. Na bitte. An die Arbeit!
Das Schmankerl & wird weiterhin gehätschelt. Dabei ist an dem Zeichen aber auch nichts Originales. Weder lautsprachlich noch grammatikalisch notwendig, gehört es zu keinem ursprünglichen Zeichenbestand irgendeiner Kultur. Kein Wunder: es ist eben ein Wort. Eines, das beim flüchtigen Schreiben zum Kürzel geriet. Der Rest ist Geschichte. Die spinnen, die Römer. Hätten sie doch das Plus-Zeichen genommen.
Zurück zum &-Zeichen, bevor ich die Kreide ganz aufgegessen habe. Es gibt nicht mal mehr einen besonderen Grund für das &-Zeichen, das auch Kaufmanns-Und genannt wird. Benutzt wurde es früher für die Gleichsetzung zweier Namen wie »Tadellöser & Wolff«, also im gewerblichen Bereich. Aber in diesen Modernen Zeiten der Global Player (z.B. Ich-AG) gibt es keinen Bedarf mehr am &. Das Zeichen wird mittlerweile für weniger zweckvolle Verbindungen eingesetzt und seines eigentlichen Wertes beraubt: »Wash & Go« ist schon zum Haareraufen. Und ein erfundener Titel wie »Schröder & Co« ist eindeutig diffamierend. (Ein Grund mehr es zu entfernen.)
So: nun ist die Stimme kreidig & geschmeidig. Schließlich & endlich ist das & nur ein Zeichen & nicht mehr. Kein Grund sich aufzuregen. Aber statt »Kalbfleisch & Kroketten« kann ich nur noch Geschnetzeltes anbieten.
Autor: Frank Baranowski, 2005. |
Der typografische Koch meint:
Wortbulette im Zeichensatz.
Dabei gibt es zahlreiche historische Entwürfe, die das Wort et als Ligatur zeigen, oft mit starker Neigung zur Kalligrafie. Hier einige moderne Beispiele mit ähnlicher Formgebung.
Mit weniger Schwung geht's auch. Fast lesbare Et-Ligaturen und dazwischen eigenwillige Versuche.
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