Webdesign: »Hallo Welt« oder ...?
Die Benutzbarkeit einer Homepage kann entscheidend verbessert werden, wenn man die Anforderungen der Benutzer berücksichtigt. Die jüngsten Erkenntnisse zeigen, was den Nutzwert der Homepage steigert.
Homepage-Verbesserungen
Ergebnisse von Usability-Studien lassen viele Anhaltspunkte erkennen, die zu einem brauchbaren Webdesign führen. Jakob Nielsen hat die wichtigsten Kriterien bewertet, die zur Zeit weiterhelfen:
- Den Wert der Website betonen + 27%
- Bewegliches, veränderbares Layout + 28 %
- Unterscheidbare Linkfarben + 33%
- Bilder, nur wenn sie nötig sind + 35%
- Klare zusammenfassende Titelzeile + 36%
- Offener Zugang zu kürzlich veröffentlichten Daten + 37%
- Kurze Website-Beschreibung + 38%
- Weniger ist mehr: kein Titel für die Suche-Funktion + 40%
- Keinen aktiven »Homepage«-Link auf der Homepage + 41%
Die Prozentangaben zeigen, wie wichtig die einzelnen Punkte sind. Die Ergebnisse (siehe Jakob Nielsen: Homepage-Design-Richtlinien) beziehen sich zwar auf die USA, aber sie können getrost auf unsere Gegend übertragen werden. Nielsen sieht die Punkte als Usability-Kriterien, was sie letztlich auch sind, aber für unsere weitere Betrachtung sollen sie in drei Bereiche unterteilt werden:
- Benutzbarkeit (Punkte 2, 3 und 9)
- Information (Punkte 1, 5 und 7)
- Erfahrung (Punkte 4, 6 und 8).
Diese Stichworte erlauben eine genauere Betrachtung des Benutzerverhaltens. Denn der »User« surft im allgemeinen nicht zu coolen Seiten, die er erforschen will. Er sucht gezielt nach Informationen.
Benutzbarkeit
Ein bewegliches Seitenlayout gewinnt immer mehr an Bedeutung. Außer dem Monitor (in verschiedenen Größen) gibt es weitaus kleinere Displays auf anderen Ausgabegeräten. Auch gehen die Anwender dazu über, das Browserfenster nicht bildschirmfüllend zu benutzen.
Die Linkfarben (der Textlinks) tragen entscheidend zur Orientierung bei und gehören zur Navigation. Der Benutzer möchte stets wissen: »Wo bin ich? Wo war ich? Wo kann ich hingehen?«
Linkfarben zeigen einen von drei Zuständen an: nicht besucht (blau), aktiv (rot), besucht (violett). Das ist einfach zu lernen, und Millionen von Seiten benutzen diese vorgegebene Darstellung. Deshalb sollte man die Linkfarben nicht ändern. Textlinks in anderen Farben oder sogar als grafische Schaltflächen zwingen dem Benutzer neues und oftmals unnötiges Lernen auf.
Verwirrend sind Links, die für alle Zustände gleichfarbig bleiben. Der Benutzer kann sich kaum die Linknamen und deren Ziele merken und folglich besucht er unfreiwillig Seiten, die er aber bereits kennt.
(Siehe auch Jakob Nielsen: Wechseln Sie die Farbe für besuchte Links.)
Verwirrung stiftet ein »Homepage«-Link auf der Homepage, auch wenn er am Ende der Seite steht. (Die Bezeichnung sollte dann »Nach oben« oder »Zum Seitenanfang« lauten.)
Wenn der Benutzer einen Link auswählt, erwartet er ein neues Ziel, jedoch nicht die selbe Seite, die womöglich durch einen erneuten Aufbau zustande kommt. Man kann vom Benutzer nicht erwarten, dass er diesen Umstand erkennt. Deshalb, und das gilt für alle Seiten: Nichts verweist auf sich selbst.
Information
Was steckt hinter der Homepage? Diese grundsätzliche Frage sollten Sie tunlichst auf der Homepage beantworten. Und zwar klar und deutlich. Eigenwerbung und Phrasen schaden Ihrer Glaubwürdigkeit.
Keine Website ist einzigartig, sondern nur eine von vergleichbar vielen. Der Benutzer weiß es, denn er kennt die Ergebnisse seiner Suchmaschine. Was kann er also von Ihrer Website erwarten, worin unterscheidet sie sich von anderen? Benutzen Sie zumindest diese Mittel:
- Der Titel (im »head«-Bereich) sollte zwischen ein bis sechs Wörtern lang sein und treffend die Website beschreiben. »Willkommen bei« und »Homepage von« sind reine Verschwendung.
- Die Kurzbeschreibung ist identisch mit dem Titel oder ein kurzer Satz, der deutlich sichtbar platziert wird.
- »Über uns« oder »Über (Unternehmen)« ist ein wichtiger Link zu der Seite, auf der Sie Auskunft über Ihr Unternehmen und die Zielsetzung der Website geben. Siehe auch Jakob Nielsen: »Über uns« Informationen.
- »Kontakt« verweist auf Ansprechpartner und weitere Möglichkeiten, mit Ihnen in Verbindung zu treten.
Erfahrung
Internet-Benutzer haben oft viele Websites besucht und wissen, wie einige grundlegende Dinge funktionieren. Erfahrung liegt hier im Vergleich; Benutzer erwarten ein durchdachtes Design.
Es wird seit langem als schlechter Stil erkannt, wenn eine Site mit großen und/oder vielen Bildern dekoriert ist. Übertragungszeit und Seitenaufbau ziehen sich unnötig in die Länge, Hintergrundbilder erschweren zudem die Lesbarkeit der Texte. Setzen Sie Bilder zur Information und nicht zur Dekoration ein. Und zeigen Sie auf Bildern nur das, was dem Benutzer weiterhilft.
Neuigkeiten, die auf der Homepage vorgestellt werden, bleiben nicht lange dort, weil sie bald durch weitere Neuigkeiten ersetzt werden. Nicht alle Benutzer lesen alles sofort, sondern verschieben es womöglich auf den nächsten Besuch. Dann aber sind die gesuchten Beiträge meist in einem Verzeichnis verschwunden. Man kann den Zugriff z. B. dadurch erleichtern, dass eine Pufferseite die kürzlich veröffentlichten Beiträge auflistet.
Die Suche-Funktion gibt oft genug Anlass zur Kritik. Nielsen bemängelt nun die Darstellung, und zwar diese Kombination:
Titel »Suche« + Eingabefeld + Schaltfläche »Suchen«.
Ein Eingabefeld mit der Schaltfläche »Suchen« bzw. englisch »Search« erklärt sich selbst und braucht daher keine Überschrift »Suche«.
Für bestimmte Benutzer könnte das aber zu knapp ausfallen (z. B. Blinde, Lernbehinderte). Eine Lösung wäre es, wenn das Eingabefeld bereits eine Beschreibung enthält. Die Kombination sieht dann so aus:
Eingabefeld »Bitte Suchbegriffe eingeben« + Schaltfläche »Suchen«.
Das lässt sich am z. B. mit einer JavaScript-Anweisung erreichen: siehe Formulare (Einfach-fuer-alle.de).
Günstig für viele Benutzer ist es jedoch, den Titel beizubehalten und dafür die Schaltfläche mit »Finden« (bzw. »Los« oder englisch »Go«) zu benennen. Denn Eingabefelder sollten vorher bezeichnet werden, um Benutzer von Screenreadern zu informieren, welchen Zweck die Eingabe hat. Zusätzlich kann das Eingabefeld eine Beschreibung enthalten. Die Kombination sieht dann so aus:
Titel »Suche« + Eingabefeld »Bitte Begriffe eingeben« + Schaltfläche »Finden«.
Autor: Frank Baranowski, 2005.