Webdesign: »Hallo Welt« oder ...?Homepage-StandardsIm World Wide Web (WWW) gibt es keine Vorgaben für Seitengestaltung und Benutzerführung. Das ist einerseits schlecht, weil die vielen Design-Experimente schwer zu erlernen sind, und es ist andererseits gut, da wir aus verschiedenen Ansätzen viele Erfahrungen sammeln können. Allerdings gibt es einige Elemente, die auf vielen Homepages den gleichen Dienst verrichten sollen, aber unterschiedlich in Platzierung und Darstellung auftreten:
Standards sind deshalb so wichtig, weil der Benutzer die Funktionen besser wahrnehmen und sich mit der Arbeitsweise schnell vertraut machen kann. Er kennt diese Elemente von anderen Homepages und das gibt ihm das berechtigte Gefühl der Kontrolle und Übersicht: er muss nicht lernen, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind:
Platzierung von Standard-Elementen
Fällt die Navigation zu umfangreich aus, müssen wichtige Elemente wie Suche, Site Map, Hilfe, Über uns und Kontakt auf die billigen Plätze ausweichen, und das sind meist der Fußbereich und der rechte Seitenrand (siehe: Seitenbereiche). Damit ist der Kampf um die Gunst des Benutzers meist schon verloren, denn er richtet sich vorrangig nach dem, was er im Sichtbereich vorfindet. Alles andere bedeutet Arbeit für ihn, weil er das Gewünschte erst einmal aufsuchen muss, und jede seiner Handlungen kann mit einem Fehler behaftet sein, wofür er nicht einmal etwas kann (Scrollen auf der Seite, Handhabung der Maus).
Die Suche-Funktion ist ein Dienst, der direkte Hilfe anbietet. Deshalb kann dieses einfache Formular getrost im Sichtbereich liegen, und zwar möglichst mittig. Kein Benutzer wird es als störend empfinden. (Siehe auch: Suche-Funktion.)
Im Gegensatz zur Suche steht das Log-in. Das Eingabefeld dieser Funktion (eigentlich ein Formular) hat Aufforderungscharakter. Fällt sie auf, wirkt sie störend, bisweilen sogar zwanghaft. Der Benutzer kann sich zu Recht die Frage stellen, warum er sich überhaupt einloggen soll. Denn er kann das Log-in kaum ignorieren.
Große Bedeutung hat mittlerweile der Style Switcher, eine Bedienhilfe, mit dem der Benutzer das Aussehen der Seite zu seinen Gunsten verändern kann, z. B. Schriftgrößen und Farbgebung. Diese Einstellmöglichkeit ist ein wichtiger Dienst, um eine Website zugänglich und benutzbar zu machen. Viele Sites bringen den Style Switcher aber dort unter, wo noch Platz ist, und das ist nicht unbedingt der Sichtbereich. Auch der Funktionsumfang läßt oft zu wünschen übrig, wenn die Stiländerungen sich nicht deutlich genug auswirken. Siehe auch: Gute Gestaltung... (einfach-fuer-alle.de).
Darstellung von Standard-Elementen
Nur wenige Elemente werden mit eindeutigen Abbildungen begleitet oder übersetzt: diese sind der Einkaufswagen, das Fragezeichen (für Hilfe), der Drucker (vereinfachte Seite drucken), der Brief (für E-Mail-Kontakt) und das Haus (für Home bzw. Homepage).
Browser arbeiten oft mit vielen Piktogrammen, Websites eher selten und dann auch nicht einheitlich. Der Benutzer muss Symbole lernen, die nicht immer eindeutig sind. Setzen Sie daher Piktogramme behutsam und sorgfältig ein und richten Sie sich nach den bekannten Darstellungen, die Sie auch vom Betriebssystem, Softwares und gut besuchten Websites kennen. Achten Sie grundsätzlich auf folgende Merkmale:
Eine Link-Leiste aus Piktogrammen ohne Beschreibung. Gemeint sind Home, Hilfe, Kontakt und Suche. Die Bilder unterscheiden sich deutlich, die Menge ist überschaubar und die Bereiche sind hier gleich wichtig. Dieses Schema kann funktionieren, aber es gibt keine Garantie dafür. Abbildung unten: Eine Link-Leiste aus Piktogrammen mit Beschreibung. Die Bilder unterscheiden sich nicht deutlich, und die Piktogramme für »Seite drucken« und »Seite empfehlen« entsprechen nicht dem, was andere Websites darstellen. Die Piktogramme, ohnehin erklärungsbedürftig, geraten zum Beiwerk und sind daher überflüssig. Siehe auch rechte Spalte: ein Navigationsmenü als weiteres Beispiel. Nach oben
Weiter geht's mit den allgemein bekannten Piktogrammen:
Die Hilfe-Seite (bzw. FAQ = Frequently Asked Questions = häufig gestellte Fragen) kann in Verbindung mit dem Fragezeichen auftreten. Das Fragezeichen allein reicht zwar auch zur Erkennung, bietet zum Ansteuern als Link aber ein zu kleines Ziel für den Mauszeiger; das gleiche gilt für das international gebrauchte Kürzel FAQ.
Piktogramme leisten wegen ihrer Deutlichkeit sehr gute Hilfe, aber als Bilder benötigen sie Ladezeit, und allein der Benutzer entscheidet, ob er sich Bilder anzeigen läßt. Vielleicht ist er gar nicht in der Lage, Bilder zu sehen. Daher ist eine Bildbeschreibung unerläßlich.
Beispiel: Link Inhaltsverzeichnis (Auf diesem Link zeigt der Mauszeiger die Beschreibung, die auch vom Screenreader vorgelesen wird.)
So gehen Sie sicher, dass Ihre ausländischen Besucher beim Ansteuern des Links eine entsprechende Übersetzung vorfinden.
Autor: Frank Baranowski, 2006. |
Standard-Elemente werden auf Internet-Seiten zwar in gleicher Weise eingesetzt, aber sie treten nicht einheitlich auf.
Alle Elemente und Symbole dienen nur dem Benutzer, aber sie müssen ihm auch bekannt vorkommen. Jakob Nielsen (www.useit.com) warnt eindringlich davor, die Begriffe und Bilder zu verändern.
Beispiel: zu viele Piktogramme auf einer Homepage mit zwei Menüs. (Quelle: Homepage Landtag NRW)
Zweitens: Die Piktogramme dienen nur dem Menü, treten aber auf den jeweiligen Seiten nicht zur Orientierung auf. So wird der Wiedererkennungswert gänzlich verschenkt.
Und hier ist eine Liste beliebter Zusätze, mit denen Sie Ihre Homepage um etliche Standards bereichern können. Sie werden sich über Besucherschwund bestimmt nicht beschweren können: Zunächst brauchen Sie einen Besucherzähler, um Ihren Besuchern zu zeigen, dass sich kaum jemand auf Ihre Seiten verirrt. Sie brauchen eine Log-in-Funktion, damit gewisse Besucher draußen bleiben. Und mit einem Log-in-Anzeiger können Sie feststellen, dass alle Besucher draußen bleiben. Sie brauchen eine Zeitanzeige, damit Ihre Besucher einen Vergleich zu ihrer Computer-Uhr haben. Sie brauchen eine Datumanzeige, damit Ihre Besucher einen Vergleich zu ihrem Computer-Datum haben. Sie brauchen eine Wetter-Anzeige, weil Ihre Websurfer aus Tokio gern persönlich vorbeikommen. Sie brauchen die aktuellen Nachrichten, um Ihren Besuchern zu zeigen, wie veraltet Ihre eigenen Beiträge sind. Sie brauchen die Gütesiegel für Webstandards, weil Ihre Besucher sonst glauben, dass Sie nur Schrott produzieren. Sie brauchen natürlich eine Suche-Funktion, weil Sie sich auf Ihren paar Seiten selbst nicht mehr zurechtfinden. Sie brauchen einen Blog (Weblog), weil Sie die Legasthenie und sonstige Schreibschwächen international fördern möchten.
Sie brauchen eine Lade-Anzeige, weil Ihre Seiten so schwerfällig sind.
Sie brauchen einen Webdesigner, der Ihnen mal in Ruhe erklärt, worum es im World Wide Web (WWW) wirklich geht. |