Webdesign: »Hallo Welt« oder ...?

Homepage-Standards

Im World Wide Web (WWW) gibt es keine Vorgaben für Seitengestaltung und Benutzerführung. Das ist einerseits schlecht, weil die vielen Design-Experimente schwer zu erlernen sind, und es ist andererseits gut, da wir aus verschiedenen Ansätzen viele Erfahrungen sammeln können.

Allerdings gibt es einige Elemente, die auf vielen Homepages den gleichen Dienst verrichten sollen, aber unterschiedlich in Platzierung und Darstellung auftreten:

Der Mangel an Übereinstimmungen zeigt hier, dass diese Dienste nicht konsequent deutlich auftreten, obwohl sie für den Benutzer zu den wesentlichen Bedienelementen gehören. Es lohnt sich daher, diese Elemente zu untersuchen und außerdem den Sinn der Funktionen zu überprüfen.

Standards sind deshalb so wichtig, weil der Benutzer die Funktionen besser wahrnehmen und sich mit der Arbeitsweise schnell vertraut machen kann. Er kennt diese Elemente von anderen Homepages und das gibt ihm das berechtigte Gefühl der Kontrolle und Übersicht: er muss nicht lernen, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Die Funktion ist als solche sichtbar und erkennbar. D. h. Größe und Platzierung ist eindeutig, und das Aussehen entspricht der Benutzererfahrung, er muss nicht über Bedeutungen rätseln.
  • Die Funktion führt auf dem einfachsten Wege zum erwarteten Ziel. D. h. der Umgang lässt sich leicht erlernen, der Weg verzichtet auf unangekündigte Überraschungen und das Ziel entspricht der Erwartung.
  • Art und Menge der Funktionen sind leicht überschaubar. D. h. der Benutzer erkennt anhand der wichtigsten Funktionen, mit welchem Umfang und Service er arbeiten kann.
Der Benutzer muss schnell erfassen können, wie er mit einer Seite arbeiten kann. Es ist wie beim Autofahren: man kann viele Hebel betätigen, aber die wichtigen sind in greifbarer Nähe und zwar dort, wo man sie erwartet.

Platzierung von Standard-Elementen

Fällt die Navigation zu umfangreich aus, müssen wichtige Elemente wie Suche, Site Map, Hilfe, Über uns und Kontakt auf die billigen Plätze ausweichen, und das sind meist der Fußbereich und der rechte Seitenrand (siehe: Seitenbereiche). Damit ist der Kampf um die Gunst des Benutzers meist schon verloren, denn er richtet sich vorrangig nach dem, was er im Sichtbereich vorfindet. Alles andere bedeutet Arbeit für ihn, weil er das Gewünschte erst einmal aufsuchen muss, und jede seiner Handlungen kann mit einem Fehler behaftet sein, wofür er nicht einmal etwas kann (Scrollen auf der Seite, Handhabung der Maus).
Es ist daher nicht sinnvoll, diese Links von der Navigation zu entfernen. Es mögen zwar Links zu einzelnen und kurzen Seiten sein, aber dem Benutzer geben sie wichtige Hilfen und Informationen. Sie sollten in unmittelbarer Nähe auftreten (betrifft auch Einkaufswagen und Mein Konto).

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Die Suche-Funktion ist ein Dienst, der direkte Hilfe anbietet. Deshalb kann dieses einfache Formular getrost im Sichtbereich liegen, und zwar möglichst mittig. Kein Benutzer wird es als störend empfinden. (Siehe auch: Suche-Funktion.)

Im Gegensatz zur Suche steht das Log-in. Das Eingabefeld dieser Funktion (eigentlich ein Formular) hat Aufforderungscharakter. Fällt sie auf, wirkt sie störend, bisweilen sogar zwanghaft. Der Benutzer kann sich zu Recht die Frage stellen, warum er sich überhaupt einloggen soll. Denn er kann das Log-in kaum ignorieren.
Zu viele Websites begehen den Fehler, das Log-in auf die Homepage zu stellen. In den meisten Fällen ergibt sich keine Notwendigkeit. Ist es dagegen doch erforderlich, so könnte dieses Element (als Link ohne Eingabefeld) im Randbereich stehen.

Große Bedeutung hat mittlerweile der Style Switcher, eine Bedienhilfe, mit dem der Benutzer das Aussehen der Seite zu seinen Gunsten verändern kann, z. B. Schriftgrößen und Farbgebung. Diese Einstellmöglichkeit ist ein wichtiger Dienst, um eine Website zugänglich und benutzbar zu machen. Viele Sites bringen den Style Switcher aber dort unter, wo noch Platz ist, und das ist nicht unbedingt der Sichtbereich. Auch der Funktionsumfang läßt oft zu wünschen übrig, wenn die Stiländerungen sich nicht deutlich genug auswirken. Siehe auch: Gute Gestaltung... (einfach-fuer-alle.de).

Beispiel Bedienhilfe mit Symbolen. Style Switcher (Bedienhilfe), der bei www.barrierekompass.de eingesetzt wird. Mit einfachen Symbolen wird die Wirkung verdeutlicht.

Der Style Switcher ist beim Seitenaufruf der wichtigste Dienst für Benutzer mit Sehbehinderungen. Wenn der Benutzer die Seite nicht sichtbar machen kann, hat sie für ihn keinen Wert, und er wird wieder gehen. Deshalb gehört diese Funktion deutlich sichtbar in den Kopfbereich.

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Darstellung von Standard-Elementen

Nur wenige Elemente werden mit eindeutigen Abbildungen begleitet oder übersetzt: diese sind der Einkaufswagen, das Fragezeichen (für Hilfe), der Drucker (vereinfachte Seite drucken), der Brief (für E-Mail-Kontakt) und das Haus (für Home bzw. Homepage).
Die Lupe wird leider sowohl für Suche als auch für Vergrößerung benutzt. Dieses Bild ist also wie weitere Piktogramme erklärungsbedürftig.

Browser arbeiten oft mit vielen Piktogrammen, Websites eher selten und dann auch nicht einheitlich. Der Benutzer muss Symbole lernen, die nicht immer eindeutig sind. Setzen Sie daher Piktogramme behutsam und sorgfältig ein und richten Sie sich nach den bekannten Darstellungen, die Sie auch vom Betriebssystem, Softwares und gut besuchten Websites kennen. Achten Sie grundsätzlich auf folgende Merkmale:

  • einfache und kontrastreiche Darstellung
  • gleichbleibende Platzierung
  • eindeutige Beschreibung in »alt«- und »title«-Attributen
  • sinnvolle Gruppierung bzw. Alleinstellung
Abbildung unten:
Eine Link-Leiste aus Piktogrammen ohne Beschreibung. Gemeint sind Home, Hilfe, Kontakt und Suche. Die Bilder unterscheiden sich deutlich, die Menge ist überschaubar und die Bereiche sind hier gleich wichtig. Dieses Schema kann funktionieren, aber es gibt keine Garantie dafür.
Eindeutige Piktogramme ohne Beschreibung als Link-Leiste.

Abbildung unten:
Eine Link-Leiste aus Piktogrammen mit Beschreibung. Die Bilder unterscheiden sich nicht deutlich, und die Piktogramme für »Seite drucken« und »Seite empfehlen« entsprechen nicht dem, was andere Websites darstellen. Die Piktogramme, ohnehin erklärungsbedürftig, geraten zum Beiwerk und sind daher überflüssig.
Schlecht unterscheidbare Piktogramme mit Beschreibung als Link-Leiste.

Siehe auch rechte Spalte: ein Navigationsmenü als weiteres Beispiel.

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Weiter geht's mit den allgemein bekannten Piktogrammen:
Typischer Einkaufswagen. Der Einkaufswagen (Shopping Cart) sollte nicht Einkaufstasche, Einkaufsbeutel oder wie auch immer benannt werden, sondern wie zuerst bezeichnet. Auch wenn Ihre Website völlig ungewöhnliche Produkte anbietet, bleiben Sie beim einfachen »Einkaufswagen« und zeigen Sie das entsprechende Piktogramm, wie es bei Amazon und ähnlichen Online-Shops zu sehen ist.

Die Hilfe-Seite (bzw. FAQ = Frequently Asked Questions = häufig gestellte Fragen) kann in Verbindung mit dem Fragezeichen auftreten. Das Fragezeichen allein reicht zwar auch zur Erkennung, bietet zum Ansteuern als Link aber ein zu kleines Ziel für den Mauszeiger; das gleiche gilt für das international gebrauchte Kürzel FAQ.
Es empfiehlt sich daher, Kombinationen wie Hilfe / FAQ oder ? Hilfe einzusetzen: Fragezeichen mit dem Titel 'Hilfe' ist als Link ein großes Ziel.

Typisches Drucker-Piktogramm. Das Drucker-Piktogramm sollte eine besondere Druckversion aufrufen und nicht nur für eine Druckmöglichkeit an sich stehen, denn das ließe sich auch über die Browser-Funktion erledigen.
Die Eigenschaft wird durch das Bild allein nicht deutlich, es ist also der Zusatz »Druckversion« erforderlich: Drucker-Piktogramm mit Titel 'Druckversion' ist eindeutig.

Typisches Haus für Home oder Homepage. Das Haus wird als Zeichen und Link für Homepage benutzt und erkannt. Beliebter und ebenso erkennbar als Link ist jedoch das jeweilige Website-Logo. Warum also ein weiteres Bild benutzen?

Typischer Brief für E-Mail-Kontakt. Der Brief wird als Zeichen und Link für E-Mail-Kontakt benutzt und erkannt. Als Ziel für den Mauszeiger ist er etwas klein, daher bietet sich der Zusatz "Kontakt" an: Brief-Piktogramm mit Titel 'Kontakt' ist eindeutig.

Lupe als Symbol für Suche und Vergrößerung. Die Lupe wird für Suche und Vergrößerung benutzt. Das Bild ist also nicht eindeutig und bedarf unbedingt eines Zusatzes, der die Funktion erklärt.
Die Größenveränderung sollte jedenfalls in Verbindung mit Plus oder Minus auftreten und einen Zusatz wie »Schrift größer« bzw. »Schrift kleiner« haben. Einige Websites benutzen statt der Lupe einen Buchstaben in verschiedenen Größen. Das weist wesentlich deutlicher darauf hin, dass sich die Veränderung auf die Schriftgröße auswirkt. Im allgemeinen gibt es leider noch keine einheitliche Darstellung für diese Bedienhilfe.
Für die Funktion Suche bietet die Lupe (als Schaltfläche) meist ein zu kleines Ziel für den Mauszeiger. »Finden« als Schaltfläche ist dagegen ein eindeutiger Titel.

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Piktogramme leisten wegen ihrer Deutlichkeit sehr gute Hilfe, aber als Bilder benötigen sie Ladezeit, und allein der Benutzer entscheidet, ob er sich Bilder anzeigen läßt. Vielleicht ist er gar nicht in der Lage, Bilder zu sehen. Daher ist eine Bildbeschreibung unerläßlich.
Einfacher und am deutlichsten ist es immer noch, mit Textlinks zu arbeiten. Hier gilt es, die bevorzugte Sprache zu berücksichtigen. Die Site Map (auch Sitemap, mehr dazu bei einfach-fuer-alle.de: Die Landkarte für die Website) verweist international auf ein Inhaltsverzeichnis bzw. eine Übersicht. Jedoch für den deutschen Gebrauch ist der Titel Inhaltsverzeichnis wesentlich deutlicher. Das betrifft auch Einkaufswagen (Shopping Cart) und Hilfe (FAQ).
Aber selbst, wenn Sie Ihre Website nur für den deutschen Gebrauch anbieten, können Sie davon ausgehen, dass Besucher aus aller Welt Ihre Seiten anschauen. Zu empfehlen sind daher zwei Möglichkeiten: entweder Sie bieten wichtige Elemente zweisprachig an oder Sie geben den Links das »title«-Attribut auf englisch.

Beispiel: Link Inhaltsverzeichnis (Auf diesem Link zeigt der Mauszeiger die Beschreibung, die auch vom Screenreader vorgelesen wird.)

So gehen Sie sicher, dass Ihre ausländischen Besucher beim Ansteuern des Links eine entsprechende Übersetzung vorfinden.

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Autor: Frank Baranowski, 2006.

Standard-Elemente werden auf Internet-Seiten zwar in gleicher Weise eingesetzt, aber sie treten nicht einheitlich auf.
Der Benutzer kann dann mit einer Seite gut umgehen, wenn er die Elemente eindeutig vorfindet:

  • Sichtbar in Größe und Platzierung
  • Erkennbar als bekannter Begriff
  • Umgang leicht erlernbar
  • Ziel entsprechend der Erwartung


Alle Elemente und Symbole dienen nur dem Benutzer, aber sie müssen ihm auch bekannt vorkommen. Jakob Nielsen (www.useit.com) warnt eindringlich davor, die Begriffe und Bilder zu verändern.
Benutzen Sie deshalb nur gebräuchliche Begriffe und gehen Sie mit Symbolen sparsam und konsequent um. Zu viele Bilder verwirren nur, als dass sie etwas Gutes bewirken.

Beispiel: zu viele Piktogramme auf einer Homepage mit zwei Menüs. (Quelle: Homepage Landtag NRW)

Navigationsmenü, mit Piktogrammen angereichert.

Das Navigationsmenü ist mit Piktogrammen angereichert. Dagegen ist zweierlei einzuwenden.
Erstens: die Bilder für »Aktuelles« und »Service« sagen nichts aus. Auch »Dokumente« und »Schnellzugriff« kämen gut ohne Bild aus.
Ganz ohne Bilder im Menü hätte die Bedienhilfe im oberen Teil mehr Gewicht.

Zweitens: Die Piktogramme dienen nur dem Menü, treten aber auf den jeweiligen Seiten nicht zur Orientierung auf. So wird der Wiedererkennungswert gänzlich verschenkt.

Zweites Menü, mit Piktogrammen angereichert.

Abbildung oben:
Das zweite Menü der selben Website. Drei Piktogramme mit Beschreibung entsprechen der üblichen Darstellung: Haus, Fragezeichen und Brief. Die restlichen drei verwirren nur. Man hätte daher auf Bilder verzichten sollen.
Die Homepage macht ohne diese Fülle an Piktogrammen einen sehr viel besseren Eindruck. Das können Sie einfach selbst überprüfen, wenn Sie die Ansicht ohne Bilder wählen (Einstellung im Browser).


Und hier ist eine Liste beliebter Zusätze, mit denen Sie Ihre Homepage um etliche Standards bereichern können. Sie werden sich über Besucherschwund bestimmt nicht beschweren können:

Zunächst brauchen Sie einen Besucherzähler, um Ihren Besuchern zu zeigen, dass sich kaum jemand auf Ihre Seiten verirrt.

Sie brauchen eine Log-in-Funktion, damit gewisse Besucher draußen bleiben.

Und mit einem Log-in-Anzeiger können Sie feststellen, dass alle Besucher draußen bleiben.

Sie brauchen eine Zeitanzeige, damit Ihre Besucher einen Vergleich zu ihrer Computer-Uhr haben.

Sie brauchen eine Datumanzeige, damit Ihre Besucher einen Vergleich zu ihrem Computer-Datum haben.

Sie brauchen eine Wetter-Anzeige, weil Ihre Websurfer aus Tokio gern persönlich vorbeikommen.

Sie brauchen die aktuellen Nachrichten, um Ihren Besuchern zu zeigen, wie veraltet Ihre eigenen Beiträge sind.

Sie brauchen die Gütesiegel für Webstandards, weil Ihre Besucher sonst glauben, dass Sie nur Schrott produzieren.

Sie brauchen natürlich eine Suche-Funktion, weil Sie sich auf Ihren paar Seiten selbst nicht mehr zurechtfinden.

Sie brauchen einen Blog (Weblog), weil Sie die Legasthenie und sonstige Schreibschwächen international fördern möchten.

Sie brauchen eine Lade-Anzeige, weil Ihre Seiten so schwerfällig sind.


Sie brauchen einen Webdesigner, der Ihnen mal in Ruhe erklärt, worum es im World Wide Web (WWW) wirklich geht.