Webdesign: »Hallo Welt« oder ...?

Webpräsenz - Internetauftritt - Visitenkarte. Wenn eine Website mit diesen Begriffen umschrieben werden muss, liegen offensichtlich Fehler im Konzept vor. Denn das World Wide Web bedeutet wesentlich mehr...

Konzeptfehler

Im Zusammenhang mit (geplanten) Websites werden häufig die Schlagworte Webpräsenz, Internetauftritt und Visitenkarte gebraucht, die allein die Zurschaustellung betreffen, aber weder die Inhalte noch die Ziele umfassen. Präsenz bedeutet Anwesenheit, Auftritt bedeutet Bühne und Visitenkarte bedeutet Kontakt in Kurzform. Im Zusammenhang mit dem World Wide Web sind es grundlegende Konzeptfehler. Das mag Ihnen weit hergeholt erscheinen, tatsächlich aber fallen diese Schlagworte nicht zufällig, und sie spiegeln durchaus die Einstellung (künftiger) Websitebetreiber wider. Damit jedoch wird das World Wide Web (WWW) mit seinen Möglichkeiten sträflich unterschätzt.
Im allgemeinen unterliegt die Einstellung »ein bißchen Internet« diesen Fehleinschätzungen:


Das World Wide Web ist ein globales Netzwerk mit einer Fülle an Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung, warum also von vornherein folgenschwere Einschränkungen machen? Zum einen kostet die Herstellung einer Website viel Arbeit, Zeit und Geld, das Sie sicher nicht verschenken wollen, und zum anderen gibt es keinen vernünftigen Grund, sich in der Weltöffentlichkeit freiwillig zu blamieren.

Wenn Sie sich dagegen eher auf Inhalt und Zielsetzung konzentrieren, werden Sie feststellen, dass Ihr Projekt »Website« zu einer eigenständigen und dynamischen Adresse reift, die von allen gern und wiederholt benutzt wird. Dann hat ein Begriff wie »Webpräsenz« nur noch einen untergeordneten Wert.



Fehleinschätzung »Im WWW muss man sich zeigen«

Denn das WWW ist keine Bühne. Und es herrscht auch keine Anwesenheitspflicht. Sie müssen dort nicht auftreten, denn niemand kann Sie dazu zwingen. Vielleicht stehen Ihnen andere Mittel zur Verfügung, und Sie konzentrieren Ihre Kommunikation recht erfolgreich auf andere Bereiche. Lassen Sie sich also nicht von sich selbst nötigen, ein Medium zu benutzen, das Ihnen gar nicht behagt.
Und auch wenn die Entscheidung für eine eigene Website gefallen ist, sollte das Projekt nicht aus der Not heraus oder unter Zeitdruck bearbeitet werden: Niemand schreibt Ihnen vor, wann Ihre Website stehen muss. Besucher und Benutzer laufen Ihnen nicht weg, wenn sie nichts zu sehen bekommen, sondern wenn sie etwas Schlechtes, Unausgereiftes vorfinden.

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Fehleinschätzung »Die Homepage muss cool aussehen«

Denn zwischen cool und cool gibt es einen großen Unterschied. Das WWW ist ein Informationsmedium und kein Multimedia-Event. Natürlich gibt es Websites im Unterhaltungsbereich, die multimediale und visuelle Elemente in den Vordergrund stellen. Die Besucher gehören dabei aber zu einer klar definierten Zielgruppe, die gerade wegen dieser Aufmachung kommt. Die meisten Websites versuchen jedoch möglichst viele und unterschiedliche Besucher anzuziehen. Schon aus diesem Grunde sind die coolen Trends wie »intros« (Splash Screens), große Bilder und animierte Banner weitgehend verschwunden.
Mit anderen Worten: eine Website ist uncool, wenn ihr grafischer Inhalt eine unnötig lange Ladezeit verursacht. Es gibt genügend Besucher, die sich dann verschaukelt vorkommen, weil sie »das nicht bestellt« haben.
Eine Website ist dagegen cool, wenn sie schnell zur Sache kommt und trotzdem eine saubere Benutzerführung erkennen läßt. Es wird immer wieder neue Trends zur Oberflächengestaltung geben und es soll auch nicht davon abgeraten werden, aber kein Trend, kein Effekt darf auf Kosten des Besuchers gehen. Schließlich zahlt er die Telefonrechnung.

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Fehleinschätzung »Die Website hat eine lange Gültigkeit«

Denn niemand mag altbackene Brötchen. Wenn Ihre Website steht, bedeutet es nicht, dass sie so bleiben darf. Im Grunde genommen ist eine Website eine ewige Baustelle... Und dabei darf sie nicht nach Baustelle aussehen!
Wie alles im täglichen Leben ist auch eine Website Veränderungen unterworfen: Aktualisierungen, Erweiterungen, Verbesserungen zur Benutzbarkeit usw. müssen fortlaufend hinzugefügt werden, damit sie frisch bleibt. Änderungen am Design der Oberfläche sollten möglichst unauffällig (eventuell in mehreren Schritten) vorgenommen werden.
Jede inhaltliche Erweiterung und Aktualisierung wird vom Besucher begrüßt: er sieht, dass sich hier etwas entwickelt und auf dem neuesten Stand bleibt. Dann wird er Ihre Website gern wieder besuchen.
Die Besuchertreue hängt entscheidend von der Aktualität einer Website ab. Sie sollten sich also beständig um frische Seiten bemühen - dann erlangt Ihre Website Gültigkeit.

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Fehleinschätzung »Die Website ist nicht das Unternehmen«

Denn Abstand macht sich bemerkbar. Es ergibt keinen Sinn, eine Website in's Leben zu rufen und sie dann brachliegen zu lassen als »Adresse für Interessierte«. Wenn Sie auf Distanz zu Ihrer eigenen Website stehen, sieht es so aus, als ob Sie nicht viel mit ihr anfangen können. Könnten Sie von Ihren Besuchern mehr erwarten? Ein Besucher merkt es, wenn eine Website nicht »lebt«, und es wird ihn keineswegs erfreuen.
Eine Website ist ein System, mit dem alle arbeiten können. Nicht nur Ihre Besucher, auch Ihre Mitarbeiter und Sie selbst sollten davon profitieren. Stellen Sie sich die Arbeitserleichterung vor, die Sie aus einem gepflegten Verzeichnis ableiten können.
Ein Unternehmen sollte dabei aber nicht wie in seiner physischen Form als Website abgebildet werden, das wäre ein törichter Fehler. Denn es interessiert nur wenige Ihrer Besucher, wie die Strukturen in Ihrer Firma aufgebaut sind. Dagegen braucht Ihre Website eine benutzerfreundliche Form, die die Schnittstellen Ihrer Firma optimal zugänglich macht.
Wenn Sie also schon Geld für eine Website ausgeben, dann sollten Sie doch auch Ihren Nutzen daraus ziehen können.

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Fehleinschätzung »Die Website dient nur zur Kontaktaufnahme«

Denn das wäre reine Verschwendung. Und gleichzeitig eine kostspielige Angelegenheit nur für diesen einen Zweck. Da ließen sich doch bestimmt auch andere Möglichkeiten finden, um mit Ihnen zu kommunizieren.
Einerseits würden Sie hier ein Medium benutzen, das viele Möglichkeiten zu Kommunikation, Information und Handel bietet, andererseits würden Sie sich in die traditionelle Geschäftsnische zurückziehen, wo Sie alles weitere abwickeln. Es geht hier nicht um unternehmerische Einstellungen, sondern um Besucher bzw. Benutzer von Websites. Und Besucher sind ungeduldig. Die nächste Website, die um die gleiche Kundschaft buhlt, ist nur einen Klick entfernt. Warum also nur Kontakt aufnehmen, wenn man woanders sofort und komplett bedient wird?

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Fehleinschätzung »Die Website hat einen begrenzten Besucherkreis«

Denn es gibt im WWW keine regionale Verbreitung. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Mitteln der Kommunikation können Sie grenzenlos und rund um die Uhr senden. Selbst wenn Ihre Firma nur einen bestimmten Wirkungskreis hat, ist es höflich und sinnvoll auch Besucher jenseits Ihrer gedachten Grenze anzusprechen. Sie sind froh, wenn Ihre Website über Suchmaschinen gefunden wird, seien Sie also auch froh, wenn Sie noch mehr Besuch erhalten. Es könnte passieren, dass Sie eines Tages mehr Anfragen von »außerhalb« bekommen als von Ihrer gewohnten Kundschaft. Vielleicht ergibt sich aus den veränderten Gegebenheiten ein neues erfolgreiches Geschäftskonzept.

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Weiter geht's: Grundlagen für ein Konzept



Autor: Frank Baranowski, 2005.

Website
Alle Seiten, die unter einer Adresse aufgerufen werden können (Site = Standort).

Homepage
Die Seite, die unter einer Adresse zuerst aufgerufen wird. Auch unter der Bezeichnung »Einstiegsseite« bekannt, aber das ist eine maßlose Untertreibung. Die Homepage hat einen sehr hohen Wert für den Benutzer; das sollte nicht unterschätzt werden.

World Wide Web
Das »weltweite Netz« wird im allgemeinen schlicht Internet genannt; das ist zwar nicht korrekt, aber einfacher zu sprechen.
Das Internet war ursprünglich ein Netzwerk für militärische Einrichtungen. 1993 wurden schließlich die Leitungen für den weltweiten Datenverkehr geöffnet.